Haut- und Narbenpflege beim Pferd – was du wirklich wissen solltest
Von der Wundheilung bis zur ausgereiften Narbe: ein praxisnaher Leitfaden
Die Haut deines Pferdes ist mehr als ein Schutzmantel. Sie ist das größte Organ des Körpers – und sie leistet täglich Schwerstarbeit. Wenn eine Verletzung oder Operation eine Narbe hinterlässt, verändert sich das Gewebe grundlegend. Was das bedeutet und wie du dein Pferd dabei sinnvoll unterstützen kannst, zeigen wir in dieser Beitragsreihe.
Für diesen Beitrag haben wir uns fachlichen Input geholt: Gemeinsam mit Katrin Obst, Pferdephysiotherapeutin mit Zusatzqualifikation in Osteopathie, teilen wir Wissen direkt aus der Praxis.
Expertin: Katrin Obst
Pferdephysiotherapeutin mit Zusatzqualifikation in Osteopathie · katrinobst.de · @obstmachtgesund
Die Haut des Pferdes: drei Schichten, eine große Aufgabe
Die Haut ist das größte Organ deines Pferdes – und sie kann weit mehr, als man auf den ersten Blick vermuten würde. Schutz, Temperaturregulation, Sinneswahrnehmung und Ausscheidung: Jede Schicht übernimmt dabei eine eigene Aufgabe.
Oberhaut (Epidermis)
Die Schutzbarriere gegen Bakterien, UV-Strahlung und Verletzungen – und Sitz der pigmentbildenden Zellen, die für die Fellfarbe verantwortlich sind.
Lederhaut (Dermis)
Versorgt die Haut mit Nährstoffen und Sauerstoff, reguliert die Körpertemperatur – und beherbergt Haarfollikel, Talg- und Schweißdrüsen, Blutgefäße und Nerven.
Unterhaut (Subkutis)
Isoliert durch Fettgewebe, unterstützt die Temperaturregulation und enthält Binde- sowie Blutgefäßgewebe.
Narbe ≠ Haut: Der Unterschied ist größer, als man denkt
Eine Narbe sieht oft harmlos aus – ist aber strukturell ein ganz anderes Gewebe als die Haut drumherum. Das ist wichtig zu verstehen, wenn man das Pferd nach einer Verletzung oder Operation wirklich gut begleiten möchte.
Was dem Narbengewebe fehlt:
- Haare
- Schweiß- und Talgdrüsen
- Melanozyten (Pigmentzellen)
- Die Fähigkeit, sich selbst ausreichend mit Feuchtigkeit zu versorgen
Gerade bei Narben in bewegungsnahen Bereichen – zum Beispiel nach einer OP am Gelenk – lohnt es sich deshalb, dem Gewebe gezielt Aufmerksamkeit zu schenken. Auch Wochen oder Monate nach der eigentlichen Verletzung.
Die 5 häufigsten Narbenarten im Überblick
Erhaben, rot und verdickt
Diese Narben sind erhaben, rot und dick. Sie entstehen, wenn sich zu viel Kollagen während des Heilungsprozesses bildet. Die Narbe bleibt dabei auf den ursprünglichen Wundbereich begrenzt.
Wächst über den Wundrand hinaus
Keloidnarben sind ähnlich wie hypertrophe Narben, jedoch wachsen sie über den ursprünglichen Wundbereich hinaus und können jucken, schmerzhaft sein und eine dunklere Farbe haben.
Flach und eingefallen
Diese Narben sind flach und haben eine eingefallene Form. Sie entstehen häufig durch Verletzungen, die tiefer in die Haut eindringen, und hinterlassen eine sichtbare Delle im Gewebe.
Je nach Schwere unterschiedlich ausgeprägt
Verbrennungsnarben entstehen durch Verbrennungen und können je nach Schwere unterschiedlich aussehen – von leichter Verfärbung bis hin zu starken Vernarbungen mit veränderter Gewebestruktur.
Nach chirurgischen Eingriffen
Diese Narben entstehen nach chirurgischen Eingriffen und können je nach Schnitttechnik und Heilungsprozess unterschiedlich aussehen – von feinen Linien bis hin zu breiteren Vernarbungen.
Wann darf man eine Narbe pflegen – und wie?
Timing ist bei der Narbenpflege fast so wichtig wie die Technik selbst. Solange die Fäden noch nicht gezogen wurden, sollte eine Naht in Ruhe gelassen werden. Erst nach Fadenzug – meist nach 2 bis 4 Wochen – sollte behutsam mit der Pflege begonnen werden. Die Wunde kann auch gepflegt werden, wenn noch eine Kruste vorhanden ist.
🩹 Frische, geschlossene Narbe
Kann mit einem Pflegegel, einer Creme oder Salbe geschmeidig gehalten werden – so bleibt das Gewebe von Anfang an gut versorgt. Wenn eine Wunde geneht werden musste: Erst nach Fadenzug.
✋ Ältere, stabile Narbe
Profitiert zusätzlich von regelmäßigen sanften Massagen – diese unterstützen den natürlichen Umbau des Gewebes.
Was Massage bewirken kann:
- unterstützt den Bindegewebsumbau
- kann Verklebungen und Spannungen lösen
- kann Durchblutung und Lymphabfluss anregen
- sanfte Stimulation, die als angenehm empfunden werden kann
So geht's ganz praktisch: Mit Daumen oder Zeigefinger sanft kreisend auf der Narbe massieren – oder die Haut neben der Narbe vorsichtig hin und her schieben bzw. leicht anheben. Täglich wenige Minuten reichen aus.
Dein Fahrplan nach OP oder Verletzung
Von der frischen Wunde bis zur ausgereiften Narbe ist es ein längerer Weg – aber du musst ihn nicht ohne Plan gehen. Gemeinsam mit Katrin Obst haben wir eine sinnvolle Reihenfolge zusammengestellt:
Woche 1 nach OP / Verletzung
Fokus liegt zunächst auf der Behandlung anderer, ggf. überlasteter Körperregionen – nicht direkt auf der frischen Wunde selbst.
Woche 2 nach OP / Verletzung
Je nach Toleranz des Pferdes kann die Wundperipherie – also der Bereich rund um die Wunde – vorsichtig einbezogen werden.
Ab ca. Woche 4 / nach Fadenzug
Ist die Narbe vollständig verheilt und stabil, kann die eigentliche Narbenpflege beginnen: Gel oder Creme auftragen und sanfte Massage starten.
Danach: langfristig dranbleiben
Der Gewebeumbau ist damit nicht abgeschlossen – er zieht sich über Monate, teils bis zu zwei Jahre hin. Regelmäßige, sanfte Pflege lohnt sich also auch langfristig.
bitopEQUI® SKIN Help – Pflegebegleitung fürs Gewebe
Als Begleiter für die tägliche Pflegeroutine rund um die Narbe kann bitopEQUI® SKIN Help mit bi-medEctoin® die Haut in ihrer natürlichen Feuchtigkeitsversorgung unterstützen – pflegend, schonend und alltagstauglich.
- Mit bi-medEctoin® – für die natürliche Feuchtigkeitsversorgung der Haut
- Unterstützt die Hautpflege rund um Narben und beanspruchte Hautstellen
- Einfach in die tägliche Pflegeveroutine integrierbar
- Tierpflegeprodukt – speziell für Pferde entwickelt
- Ohne Duftstoffe – schonend für empfindliche Haut
Noch mehr aus der Zusammenarbeit mit Katrin Obst
Haut- und Narbenpflege ist nicht das einzige Thema, das wir gemeinsam mit Katrin beleuchtet haben. In unserer Video-Reihe findest du weitere praxisnahe Inhalte – von Maßnahmen, die in einer Verletzungsphase allgemein hilfreich sein können, bis hin zu Übungen, die Pferde mit Atemwegsproblemen unterstützen können. Schau gerne rein.
Katrin Obst · Pferdephysiotherapeutin · Osteopathie · @obstmachtgesund