Training bei Equinem Asthma: Wann Bewegung hilft – und wann dein Pferd geschont werden sollte

Bewegung ist wichtig – aber nicht jedes hustende Pferd sollte trainiert werden

Wenn ein Pferd hustet oder unter Atemwegsproblemen leidet, stellen sich viele Pferdebesitzer dieselbe Frage:

Soll ich mein Pferd weiter bewegen oder lieber schonen?

Eine pauschale Antwort gibt es darauf nicht. Denn entscheidend ist nicht der Husten allein, sondern die Ursache der Beschwerden.

Während angepasste Bewegung bei vielen Pferden mit Equinem Asthma sogar ein wichtiger Bestandteil des Managements sein kann, sollte ein Pferd mit einer akuten Atemwegsinfektion oder deutlicher Atemnot zunächst nicht trainiert werden.

Die wichtigste Voraussetzung ist deshalb immer eine tierärztliche Diagnose.

In diesem Artikel erfährst du:

  • was der Unterschied zwischen Bewegung und Training ist,
  • warum Bewegung für die Atemwege wichtig sein kann,
  • wann Training sinnvoll ist,
  • wann du besser pausieren solltest,
  • und worauf du bei Pferden mit Equinem Asthma besonders achten solltest.

Bewegung und Training – was ist der Unterschied?

Diese beiden Begriffe werden häufig gleich verwendet, beschreiben aber unterschiedliche Dinge.

Bewegung

Bewegung umfasst jede körperliche Aktivität – unabhängig davon, ob dabei ein Trainingsreiz gesetzt wird. Dazu gehören beispielsweise:

  • Weidegang
  • Paddockaufenthalt
  • Spaziergänge
  • lockeres Führen
  • freies Laufen

Regelmäßige Bewegung fördert unter anderem die Durchblutung, den Stoffwechsel, die Gelenkgesundheit und unterstützt die natürliche Belüftung der Lunge.

Training

Training ist dagegen eine gezielte körperliche Belastung, mit der bestimmte Anpassungen des Körpers erreicht werden sollen, zum Beispiel:

  • Verbesserung von Ausdauer und Kondition
  • Muskelaufbau
  • Leistungssteigerung
  • Vorbereitung auf Turniere
Für Pferde mit Equinem Asthma bedeutet das: Regelmäßige Bewegung ist häufig sinnvoll. Die Intensität des Trainings sollte jedoch immer an den Gesundheitszustand des Pferdes angepasst werden.

Warum Bewegung den Atemwegen helfen kann

Die Lunge ist kein Muskel, der trainiert werden kann. Bewegung beeinflusst jedoch verschiedene Prozesse, die für gesunde Atemwege wichtig sind.

Bei angepasster Belastung:

  • steigt die Atemtiefe,
  • wird die Lunge besser belüftet,
  • kann der natürliche Schleimtransport unterstützt werden,
  • und festsitzender Schleim lässt sich häufig leichter abhusten.

Gerade Pferde mit chronischen Atemwegserkrankungen profitieren häufig von regelmäßiger, moderater Bewegung – vorausgesetzt, ihre Erkrankung ist gut eingestellt und die Belastung wird individuell angepasst.

Bewegung ersetzt jedoch weder eine tierärztliche Behandlung noch ein konsequentes Umweltmanagement.

Wann solltest du dein Pferd nicht trainieren?

Es gibt Situationen, in denen Training die Atemwege zusätzlich belasten kann.

Verzichte auf intensives Training, wenn dein Pferd:

  • Fieber hat,
  • unter einer akuten Atemwegsinfektion leidet,
  • deutliche Atemnot zeigt,
  • starken Husten während der Arbeit entwickelt,
  • stark verschleimt ist,
  • deutlich leistungsgemindert wirkt.
In diesen Fällen sollte zunächst die Ursache abgeklärt und die weitere Belastung mit dem Tierarzt abgestimmt werden.

Wann kann Bewegung sinnvoll sein?

Viele Pferde mit mildem bis moderatem Equinem Asthma profitieren von regelmäßiger Bewegung.

Voraussetzungen sind:

  • stabiler Zustand
  • tierärztliche Betreuung
  • möglichst staubarme Umgebung
  • individuell angepasste Trainingsintensität
Ziel ist nicht Höchstleistung, sondern die Unterstützung einer möglichst guten Lungenfunktion und eines effektiven Schleimtransports.

Woran erkennst du, ob die Belastung passt?

Es gibt keinen einzelnen Messwert, der zuverlässig vorgibt, wie intensiv ein Pferd mit Equinem Asthma trainiert werden sollte. Vielmehr sollten mehrere Faktoren gemeinsam beurteilt werden.

Achte während des Trainings auf:

  • ruhige, gleichmäßige Atmung
  • Husten
  • ungewöhnliche Atemgeräusche
  • Leistungsbereitschaft
  • Erholungszeit
  • Herzfrequenz
  • Atemfrequenz
  • Allgemeinbefinden
Zeigt dein Pferd während der Arbeit deutliche Atemprobleme oder nimmt der Husten zu, sollte das Training reduziert und tierärztlich überprüft werden.

Herzfrequenz und Atemfrequenz: Was sie verraten und wie du sie misst

Die Herzfrequenz als Orientierung

Einige Tierärzte und Therapeuten nutzen die Herzfrequenz als zusätzliche Orientierung für die Trainingssteuerung. Auch Physiotherapeutin Laura Mau berücksichtigt in ihrer täglichen Arbeit die Entwicklung der Herzfrequenz und die Erholungszeit nach Belastung.

Situation Herzfrequenz
Ruhe ca. 28–44 Schläge/Minute
Schritt ca. 60–90 Schläge/Minute
Trab häufig 80–140 Schläge/Minute
Galopp häufig 140–200 Schläge/Minute
Maximale Belastung bis etwa 220–240 Schläge/Minute

Die Werte können je nach Trainingszustand, Alter und Belastungsintensität deutlich variieren. Wichtiger als einzelne Zahlen ist deshalb, wie schnell die Herzfrequenz nach der Belastung wieder absinkt.

Wie kannst du die Herzfrequenz messen?

Ganz einfach:

  • mit einem Pulsmesser oder Herzfrequenzgurt,
  • mit einem Stethoskop,
  • oder durch Abtasten der Gesichtsarterie bzw. einer anderen gut tastbaren Arterie.

Zähle die Herzschläge 30 Sekunden lang und multipliziere das Ergebnis mit zwei.

Herzschläge in 30 s × 2 = Herzfrequenz/Minute

Kann die Atemfrequenz helfen?

Die Atemfrequenz liefert zusätzliche Informationen darüber, wie stark die Atemwege belastet werden. Im Ruhezustand liegt sie bei einem gesunden erwachsenen Pferd meist bei etwa 8–16 Atemzügen pro Minute. Während der Arbeit steigt sie – abhängig von Belastung und Trainingszustand – deutlich an.

Es gibt derzeit keine wissenschaftlich validierten Atemfrequenz-Grenzwerte, anhand derer sich das Training von Pferden mit Equinem Asthma sicher steuern lässt. Deshalb sollte die Atemfrequenz immer gemeinsam mit dem allgemeinen Eindruck des Pferdes beurteilt werden.

So misst du die Atemfrequenz

Beobachte die Flanken oder die Nüstern. Ein vollständiger Atemzug besteht aus:

  • einmal Einatmen
  • einmal Ausatmen

Zähle die Atemzüge 30 Sekunden lang und multipliziere das Ergebnis mit zwei.

Atemzüge in 30 s × 2 = Atemfrequenz/Minute
⏱️

Die Erholungszeit ist oft wichtiger als die Belastung selbst

Nicht nur die Belastung während des Trainings liefert wertvolle Informationen. Ebenso wichtig ist die Frage: Wie schnell erholt sich dein Pferd danach?

Sinken Herz- und Atemfrequenz innerhalb weniger Minuten deutlich ab und wirkt dein Pferd entspannt, spricht das meist für eine angemessene Belastung.

Bleiben Herz- oder Atemfrequenz länger erhöht oder zeigt dein Pferd weiterhin Husten oder Atemnot, sollte die Belastung reduziert und tierärztlich überprüft werden.

Welche Trainingsform eignet sich?

Das Training sollte sich immer am Gesundheitszustand des Pferdes orientieren.

Bewährt haben sich häufig:

  • lange Schrittphasen
  • ruhiges Aufwärmen
  • lockere Trabarbeit
  • ausreichend Erholungsphasen

Auch Galopparbeit kann bei gut eingestellten Pferden sinnvoll sein, sofern sie individuell angepasst wird und keine Verschlechterung der Symptome auslöst.

Nicht jede Trainingseinheit muss intensiv sein. Entscheidend ist eine regelmäßige, dem Pferd angepasste Bewegung.

Vor dem Training: Die Atemwege möglichst wenig belasten

Bevor das Training beginnt, lohnt sich ein Blick auf die Umgebung.

Besonders günstig sind:

  • möglichst staubarme Reitplätze,
  • Training im Freien,
  • gut belüftete Hallen,
  • staubarmes Raufutter,
  • möglichst wenig Staubentwicklung im Stall.
Je geringer die Belastung durch Staub und andere inhalative Reizstoffe ist, desto besser können die Atemwege arbeiten.

Kann Inhalation das Training unterstützen?

Bei einigen Pferden kann eine Inhalation – abhängig von der tierärztlichen Empfehlung und der verwendeten Inhalationslösung – Bestandteil des Atemwegsmanagements sein.

Je nach eingesetzter Lösung kann sie beispielsweise dazu beitragen,

  • die Schleimhäute zu befeuchten,
  • den Schleimtransport zu unterstützen,
  • oder Medikamente gezielt in die Atemwege zu bringen.
Ob eine Inhalation vor oder nach dem Training sinnvoll ist, sollte individuell mit dem behandelnden Tierarzt abgestimmt werden.

Häufige Fehler

Viele Pferdebesitzer möchten ihrem Pferd helfen – machen dabei jedoch unbewusst Fehler. Dazu gehören:

Husten über Wochen ignorieren.

Akut erkrankte Pferde weiter trainieren.

Pferde mit stabilem Equinem Asthma dauerhaft schonen.

Die Trainingsintensität zu schnell steigern.

Ausschließlich auf Medikamente setzen, ohne Haltung und Fütterung anzupassen.

Gerade bei Equinem Asthma entscheidet meist die Kombination aus gutem Umweltmanagement, tierärztlicher Betreuung und angepasster Bewegung über den langfristigen Erfolg.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Nicht jedes hustende Pferd sollte trainiert werden.
  • Bei akuten Infektionen oder Atemnot ist Schonung wichtig.
  • Viele Pferde mit gut eingestelltem Equinem Asthma profitieren dagegen von regelmäßiger, angepasster Bewegung.
  • Die Trainingsintensität sollte sich am Gesundheitszustand des Pferdes orientieren.
  • Die Atemfrequenz kann eine zusätzliche Orientierung bieten, ersetzt jedoch keine tierärztliche Beurteilung.
  • Umweltmanagement bleibt die wichtigste Grundlage für gesunde Atemwege.

Checkliste vor dem Training

  • Ist mein Pferd heute hustenfrei gewesen?
  • Wirkt es fit?
  • Ist die (Stall-)Luft möglichst staubarm?
  • Ist das Raufutter hygienisch und qualitativ hochwertig?
  • Zeigt mein Pferd normale Ruheatmung?

Erst wenn diese Fragen überwiegend mit Ja beantwortet werden können, spricht aus Sicht des Atemwegsmanagements meist nichts gegen eine angepasste Bewegung.

Fazit

Ob ein Pferd mit Atemwegsproblemen trainiert werden sollte, lässt sich nicht pauschal beantworten.

Entscheidend sind die zugrunde liegende Erkrankung, der aktuelle Gesundheitszustand und die individuelle Belastbarkeit des Pferdes.

Während akute Atemwegserkrankungen zunächst Ruhe und tierärztliche Behandlung erfordern, kann regelmäßige, angepasste Bewegung bei vielen Pferden mit gut eingestelltem Equinem Asthma ein wichtiger Bestandteil des langfristigen Managements sein.

Die beste Grundlage bilden dabei immer eine möglichst geringe Belastung durch Staub und andere inhalative Reizstoffe, eine tierärztliche Betreuung und ein individuell angepasstes Trainingsprogramm.

Wissenschaftliche Quellen (Auswahl)

Couëtil LL et al. ACVIM Consensus Statement: Inflammatory Airway Disease of Horses. J Vet Intern Med. 2016.

Bond S et al. Environmental Management of Equine Asthma. Animals. 2024.

MSD Veterinary Manual. Asthma in Horses.

Bullone M, Lavoie JP. Asthma "of horses and men": similarities in pathophysiology. Matrix Biology. 2020.