Training von Pferden mit RAO, IAD & Allergien

Das Training von Pferden mit Atemwegserkrankungen ist ein umstrittenes Thema. Die einen sagen viel bewegen: "Die Lunge muss gut durchblutet werden und der Schleim muss raus". Die anderen sagen: "Bloß nicht zu viel machen, sonst wird das Pferd überlastet".
Pferde mit verengten Bronchien können nicht wie Menschen durch den Mund atmen, wenn sie Atemnot haben. Werden die Bronchien durch eine zu starke Belastung gereizt, kann dies mitunter zu einer Verschlimmerung der Erkrankung führen.
Der richtige Ansatz liegt in der goldenen Mitte, doch diese ist schwer zu finden. Wir haben Laura Mau vom Soletherapiehof Mau dazu interviewt. Speziell für Pferde mit Atemwegserkrankungen empfiehlt sie ein Training, das sich an der Atemfrequenz orientiert. So kann sichergestellt werden, dass das Pferd nicht über- oder unterfordert wird. Wer technisch gut ausgerüstet ist, kann auch einen Herzfrequenzmesser verwenden, aber das ist nicht zwingend notwendig.

Wie messe ich die Atemfrequenz?

Für die Messung der Atemfrequenz brauchst Du nichts weiter als eine Stoppuhr.
Anfangs musst Du Dich entweder für die Ein- oder Ausatmung entscheiden. Dann zählst Du für 30 Sekunden jedes Bauchheben bzw. -senken und das Ergebnis multiplizierst Du mit zwei. Damit hast Du die Atemfrequenz Deines Pferdes pro Minute ermittelt.

Was ist die Ruhe-Atemfrequenz?

Bevor Du mit dem Training startest, solltest Du die Ruhe-Atemfrequenz Deines Pferdes ermitteln. Dazu zählst Du die Ein- bzw. Ausatmung wie oben beschrieben, nachdem Dein Pferd mindestens 30 Minuten gestanden hat.

Wie gestalte ich das Training?

Laura Mau arbeitet im Training mit bestimmten Grenzwerten, die bei entsprechender Arbeit des Pferdes nicht überschritten werden sollten:

Leichte Arbeit – 30 Atemzüge/min.

Mittlere Arbeit – 50 Atemzüge/min.

Schwere Arbeit – 60 Atemzüge/min.

Bei dem ersten Training gilt es festzustellen, in welchem Trainingszustand sich Dein Pferd befindet. Nachdem Du den Ruhe-Atemfrequenz ermittelt hast, kannst Du Dein Pferd 2 Minuten Schritt gehen lassen und anschließend erneut die Atemfrequenz (AF) messen. Sollte dieser Wert unter den empfohlenen 30 Atemzügen/min. liegen, kannst Du im nächsten Trainingsschritt ausprobieren, wie sich Dein Pferd im Trab verhält. Ist Dein Pferd allerdings schon nach 2 Minuten Schritt gehen über der empfohlenen Grenze, kannst Du daraus schließen, dass diese Arbeit sehr anstrengend war und das Training darauf ausrichten.

Beispielsweise kannst Du 1 Minute Schritt gehen, anschließend anhalten und warten bis die AF wieder die Ruhe-AF erreicht hat. Ist dies im Schritt kein Problem für Dein Pferd, kannst Du es auch traben und anschließend Schritt gehen lassen, bis Dein Pferd wieder die AF für „leichte Arbeit“ erreicht hat. Idealerweise sollten die oben genannten Werte bei einem gesunden Pferd nicht überschritten werden. Laura Mau empfiehlt die Übungen ca. 5-mal zu wiederholen.

Um langfristig einen Überblick zu behalten, empfehlen wir Dir ein Trainingstagebuch zu führen. Darin kannst Du Deine Ziele, zum Beispiel 2 Minuten traben ohne eine AF von 30 Atemzügen/min. zu überschreiten, notieren. Aber auch die tatsächlich erzielten Werte hast Du auf diese Weise im Blick und kannst Dir vor Augen führen wo Dein Pferd gerade steht. Idealerweise notierst Du Dir zusätzlich noch, wenn Du etwas an den äußeren Umständen, wie der Haltung, veränderst oder neue Therapiemaßnahmen ergreifst. Dadurch können sowohl Rückschritte als auch Fortschritte im Training besser zugeordnet werden.

Was mache ich, wenn die Ruhe-Atemfrequenz meines Pferdes schon bei 30 liegt?

Wenn Dein Pferd per se eine Ruhe-AF von über 30 hat, solltest Du so trainieren, dass eine AF um 5 weitere Atemzüge nicht überschritten wird. Anschließend muss wieder Pause gemacht werden, bis die Ruhe-AF erreicht ist. Generell bedarf es bei Pferden, die eine Ruhe-AF von über 30 haben, ein ganz präzises Training, um die Bronchien nicht zu überlasten.
Ziel ist das das Pferd mit der Zeit immer schneller zurück in seine Ruhe-AF findet. Je schneller sich die AF normalisiert, desto fitter ist das Pferd.

Sollte ich mein Pferd vor diesem Training aufwärmen?

Das Auswärmen Deines Pferdes kannst Du abhängig von Deinen Trainingszielen gestalten.
Leidet Dein Pferd gerade unter einem akuten Infekt und Dein Ziel ist nur 1 min. Schritt gehen, ohne dass die Atemfrequenz zu stark ansteigt, dann brauchst Du Dein Pferd nicht aufwärmen. Möchtest Du aber mit Deinem Pferd üben 2 min. am Stück zu galoppieren, solltest Du Dein Pferd definitiv vorher
aufwärmen.

Mein Pferd überschreitet die Grenzwerte nicht, wie sollte ich dann trainieren?

Leidet Dein Pferd an einer Atemwegserkrankung, überschreitet aber in keiner Gangart die Grenzwerte, scheint es aktuell keine Schwierigkeiten mit der Atmung zu haben. Zur Prävention, gerade bei chronischen Erkrankungen wie einer RAO, empfehlen wir Galopptraining. Im Galopp macht das Pferd einen Atemzug pro Galoppsprung, wodurch die Lunge sehr gleichmäßig belastet und gut durchblutet wird – ein ideales Lungentraining, das auch das Immunsystem stärkt.

Wann sollte ich am besten inhalieren?

Bei Atemwegserkrankungen raten wir immer zur unterstützenden Inhalation. Gerade wenn Dein Pferd stark verschleimt ist, empfiehlt sich die Inhalation vor der Bewegung. Durch die Bewegung wird die Lunge besser durchblutet und der Schleim kann sich lösen und abgehustet werden.
Hast Du noch andere Trainingstipps für atemwegserkrankte Pferde oder Fragen an uns? Dann kontaktiere uns gerne oder kommentiere unter diesem Beitrag. ⬇️

Für diesen Artikel und das Training von atemwegserkrankten Pferden auf Basis der Atemfrequenz haben wir Laura Mau vom Soltherapiehof Mau befragt. Laura und Ihre Schwester Nora betreiben einen kleinen Therapiehof in Süderholz (Mecklenburg-Vorpommern). Sie haben sich auf den ganzheitlichen
Ansatz bei atemwegserkrankten Pferden spezialisiert und verkaufen inzwischen sogar ihr eigenes Allergiker-Heu.
Mehr zum Soletherapiehof Mau

Lea Hüser

Ich habe mich schon von Kindesbeinen an für Pferde begeistert, auch wenn meine Eltern dort manchmal anderer Meinung waren. Heute beschäftige ich mich gerne und Ausführlich mit Themen rund Natural Horsemanship und Pferdehaltung. Wenn ich mich mal nicht im Stall befinde bin ich mit meinem Hund Mia unterwegs, treffe mich mit Freunden oder verliere mich in guten Büchern.

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