Präventive Inhalation beim Pferd: Chancen und Risiken

Vorsicht ist besser als Nachsicht? Gerade bei Atemwegserkrankungen bei Pferden sollte man diesen Ratschlag beherzigen, denn allzu schnell wird aus einer harmlosen Atemwegsinfektion ein chronisches Leiden. Kein Wunder also, dass immer mehr Pferdebesitzer ihre Pferde auch präventiv inhalieren möchten. Doch die präventive Inhalation steht auch immer wieder in der Kritik. Macht es also wirklich Sinn sein Pferd präventiv zu inhalieren oder schadet es dem Pferd vielleicht sogar?

Was bedeutet präventiv?

Um besser zu verstehen, worum es sich bei der präventiven Inhalation handelt und weshalb diese Chancen, aber auch Risiken birgt, ist es wichtig zu wissen, was man unter dem Begriff Prävention versteht.

Unter Prävention versteht man Maßnahmen, die eine Beeinträchtigung der Gesundheit verhindern oder verzögern bzw. den Gesundheitszustand des Pferdes erhalten oder verbessern sollen. Dabei ist die Prävention in verschiedene Stufen unterteilt.

1. Primärprävention: Verhinderung einer Erkrankung VOR ihrem Auftreten
2. Sekundärprävention: Früherkennung und Eindämmung des Fortschreitens einer Krankheit
3. Tertiärprävention: Vermeidung von Folgeschäden und Rückfällen nach einer Erkrankung.

Präventive Maßnahmen können also nicht nur bei gesunden Pferden, sondern auch bei bereits erkrankten Pferden getroffen werden.

Was spricht gegen die präventive Inhalation?

Immer wieder sprechen sich Stimmen gegen die präventive Inhalation von Pferden aus. Die häufigsten Argumente sind dabei:

1. Mangelnder Nutzen
2. Infektionsgefahr
3. Gewöhnungseffekte


Doch was steckt hinter diesen Vorwürfen? Wir haben einmal den Faktencheck für Dich gemacht!

Hat präventive Inhalation einen Nutzen?

Gerne wird bei der präventiven Inhalation der fehlende Nutzen angeführt. Dieses ist aber nur zum Teil richtig. Ein vollkommend gesundes Pferd braucht natürlich keine Inhalation um gesund zu bleiben. Allerdings sprechen wir hier nur von der Primärprävention.

Tatsächlich spielt die Inhalation aber besonders in der Sekundär- und Tertiärprävention eine große Rolle. Hat das Pferd erste Probleme mit den Atemwegen (beispielsweise durch äußere Stresseinflüsse), kann die Inhalation den Krankheitszustand eindämmen und so akute oder chronische Erkrankungen verhindern. Besonders gut eignet sich die präventive Inhalation aber bei bereits chronisch kranken Pferden: Durch die Inhalation können symptomfreie Phasen verlängert und Rückfälle verhindert werden.

Wichtig: Nur weil ein Pferd symptomfrei ist, ist es nicht gesund.
Chronische Atemwegserkrankungen wie Equines Asthma können bei richtigem Management über lange Zeit ohne Symptome verlaufen - eine komplette Heilung ist allerdings nicht möglich.

Schleppe ich bei präventiver Inhalation Keime in die Lunge?

Mit der präventiven Inhalation möchte man Atemwegserkrankungen verhindern und nicht auslösen. Viele Pferdebesitzer sind daher geschockt, wenn ihnen gesagt wird, dass sie mit der präventiven Inhalation sogar Atemwegserkrankungen auslösen können. Doch entspricht dieser Mythos der Wahrheit?

Tatsächlich sollte man bei der präventiven Inhalation die Augen aufhalten: Wird nicht ausreichend auf die Hygiene geachtet, können über die Inhalation Pilze, Bakterien und Viren in die Atemwege gelangen.

Aus diesem Grund ist penible Sauberkeit das A und O bei der Inhalation: Der Inhalator sollte nach jeder Inhalation gereinigt und desinfiziert werden. Bei Inhalationslösungen sollte man genau auf professionelle Hersteller (Stichwort: Sterilabfüllung), die sterile Entnahme (mit einem Mini-Spike oder einer Kanüle) und das Verfallsdatum achten. Eigenmischungen aus Wasser und Kochsalz im Haushalt sind dagegen Tabu - hier ist die Sterilität nicht gewährleistet.

Achtet man penibel auf die Hygiene bei der präventiven Inhalation, ist die Gefahr für die Verschleppung von Krankheitserregern eher gering.

Hat präventive Inhalation einen Gewöhnungseffekt?

Diese Frage kann man nicht so leicht beantworten, denn es kommt darauf an mit welcher Lösung inhaliert wird.

Medikamente wie Kortison, Schleimlöser oder Bronchienerweiterer können mit der Zeit einen Gewöhungseffekt hervorrufen. Allerdings sollten diese niemals zu präventiven Inhalation eingesetzt werden - sie sind für den Akutfall gedacht und sollten nur nach Anweisung des Tierarztes benutzt werden.

Isotone Kochsalzlösungen und Ectoin® haben dagegen auch bei langfristiger Nutzung keinen Gewöhnungseffekt, da ihre Wirkung auf physikalischen Mechanismen beruht. Aus diesem Grund ist ihre Nutzung bei der präventiven Inhalation unbedenklich.

Welche Vorteile hat die präventive Inhalation?

Die präventive Inhalation hat nicht nur Risiken, sondern auch einige Vorteile. Insbesondere bei Pferden, die unter chronischen Atemwegserkrankungen wie Equinem Asthma leiden, kann die präventive Inhalation symptomfreie Phasen verlängern und neue Akutzustände verhindern. Bei Allergikern können bestimmte Inhalationslösungen zudem auch allergische Reaktionen (z.B. auf Pollen) vorbeugen.

Zudem eignet sich die Inhalation als präventive Maßnahme zur Eindämmung beginnender Atemwegsprobleme. Insbesondere wenn die Lunge des Pferdes großem Stress ausgeliefert ist (z.B. Extremes Wetter) oder die natürliche Selbstreinigung der Lunge gestört ist (z.B. bei längerer Boxenruhe und dadurch mangelnder Bewegung) kann eine präventive Inhalation sinnvoll sein, um Atemwegserkrankungen vorzubeugen.

Ob es sinnvoll ist präventiv zu inhalieren, hängt individuell vom Pferd und seiner Situation ab und sollte stets mit dem Tierarzt besprochen werden. Neben der Inhalation liegt ein großer Schlüssel in der Prävention von Atemwegserkrankungen natürlich in der Haltungsoptimierung. Tipps & Tricks zur Haltungsoptimierung gibt Tierärztin Dr. Sommerfeld in unserem Blogartikel Management von Pferden mit Equinem Asthma.

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