Tipps vom Tierarzt: Management von Pferden mit Equinem Asthma

Equines Asthma, auch bekannt unter RAO oder COB/COPD (mittlerweile veraltete Bezeichnung aus dem Humanbereich), ist eine der häufigsten Erkrankungen unserer Pferde und mitunter einer der Hauptgründe für das Ausscheiden aus dem Leistungssport. Das richtige Management für ein Pferd mit Equinem Asthma ist unumgänglich, um weiterer Verschlechterung vorzubeugen und eine gute Lebensqualität zu erhalten.

Aber wo fängt gutes Management an und wo hört es auf?
Hierzu haben wir mit unserer Partnerin, Pferdetierärztin Dr. Theresa Sommerfeld, gesprochen und verraten im Folgenden die wichtigsten 4 Punkte, auf die unbedingt geachtet werden sollte.
Das A & O bei dem Management von atemwegserkrankten Pferden ist die Haltungsoptimierung. Die behandelnde Person bist hier einzig und allein Du als Pferdebesitzer. Je mehr Du optimierst, desto besser ist erfahrungsgemäß die Prognose und Lebensqualität für Dein Pferd.

Frau Dr. Sommerfeld gibt dir im Folgenden die vier wichtigsten Punkte zur
Haltungsoptimierung an die Hand.


1) Staubvermeidung

Auch wenn das Heu von guter Qualität ist - trockenes Heu kann trotzdem stauben. Die Schnitthöhe ist wichtig: wird zu tief geschnitten, wird viel Dreck mitgenommen, welcher im Heu später zu extrem viel Staubbildung und Verunreinigung führt. Zur Staubbindung ist das Bedampfen oder Einweichen von Heu eines der wichtigsten Meilensteine in der Haltungsoptimierung. Eine Alternative ist Heulage, welche allerdings nicht von jedem Pferd gut vertragen wird. Durch die hohe Restfeuchte im Futtermittel und dem nicht abgeschlossenen Fermentationsprozess reagieren viele Pferde darauf mit Kotwasser und Aufgasung. Zudem muss Heulage vor allem im Sommer nach Öffnung der Folie zeitig verfüttert werden. Durch falsche Lagerung oder Herstellung können sich gefährliche Bakterien im abgepackten Ballen vermehren und das Pferd bei Aufnahme lebensbedrohlich erkranken (Stichwort Botulismus).
Oft wird vieles richtig gemacht: Das Heu wird bedampft, das Pferd steht den ganzen Tag draußen, wird bewegt und inhaliert - kommt allerdings abends in die Strohbox zurück. Vorallem Stroh ist eine Einstreu Möglichkeit, die viel Staub verursacht. Dort steht das Pferd dann mehrere Stunden über Nacht und wirbelt mit jedem Schritt in der Box Stäube und auch Mikroorganismen aus dem Stroh auf, welche wir mit bloßem Auge oft gar nicht erkennen. Hast Du schonmal Stroh aufgeschüttelt und im Sonnenlicht geschaut, wie viele Partikel danach in der Luft schweben? Stroh ist ein absolutes Tabu für Asthmatiker Pferde. Staubarme Alternativen dazu gibt es genug, wie zum Beispiel Sand, Späne, Torf, Waldboden oder auch Matten. Bei besonders empfindlichen Pferden reicht es leider schon aus, wenn die Nachbarpferde in ihren Boxen mit Stroh eingestreut werden. Auch bei Asthmatikern sollte im Offenstall Stroh vermieden werden - obwohl sich über die großzügige Frischluftzufuhr die Stäube dort schneller verflüchtigen. Dein Pferd
wird trotzdem seine Nase ins Stroh stecken und beim Fressen die Stäube einatmen.
Ein Detail, welches nicht unterschätzt werden sollte, ist aufgewirbelter Stau durch Kehren der Stallgasse und durch Misten. Idealerweise sollte Dein Pferd beim Kehren und Misten, bis eine Stunde danach, nicht im Stall stehen. Es kann auch helfen, den Boden vor dem Kehren anzufeuchten, um so den Staub zu binden (nur auf rutschfesten Böden).
Ein trockener Boden wirbelt mit jedem Schritt Staub auf. Wenn Du nach dem Reiten mit einem weißen feuchten Lappen dein Gesicht abwäscht und sich Schmutz darauf befindet, kannst du davon ausgehen, dass in den Atemwegen deines Pferdes mehr als das Doppelte an Staub gelandet ist. Für Asthmatiker wäre das Reiten auf frisch gewässerten Reitplätzen oder im Gelände nach einem Regenguss ideal.
Da Hafer generell oft staubig ist, solltest Du ihn und weitere pulverige Futterzusätze im besten Fall direkt vor dem Füttern anfeuchten. Alternativ kannst Du den Staub auch durch dir Zugabe von Öl binden.
Vorallem Pferde, die an Equinem Asthma leiden, profitieren stark von einer Haltung mit möglichst viel Frischluft. Optimal wäre es, wenn Dein Pferd 24 Stunden täglich draußen steht und so einer deutlich geringeren Staubbelastung ausgesetzt wird.

2) Futterqualität

Ein Heuballen, welcher befeuchtet wird, aber nicht frei von Kontaminanten wie Bakterien, Pilze oder Dreck ist, ist als Futtermittel unbrauchbar. „Die erste Schicht am Ballen sah schlecht aus, die haben wir entfernt, darunter ist der Ballen perfekt“- leider tägliche Routine in vielen Ställen. Sobald am Ballen Schimmel oder Pilzbefall sichtbar wird, kann davon ausgegangen werden, dass selbst in den tiefen Schichten, das Futter verunreinigt ist. Der Trocknungsgrad vor dem Pressen entscheidet über die Restfeuchte und darüber, ob sich Bakterien und Pilze darin vermehren können. Die Lagerung muss trocken sein, da bei Eindrinden von Feuchtigkeit in den Ballen Schimmel oder Pilzbefall entsteht (schwarze Stellen/ Flecken oder weiße Schlieren/ Nester).
Es sollte oberste Priorität sein, dass das Heu keine giftigen Pflanzen enthält. Jeder Pferdebesitzer sollte giftige Pflanzenteile im Heu erkennen können. Einige Pflanzen behalten ihre Giftigkeit über die Trocknung hinaus bei, und werden sogar erst durch das Trocknen für Pferde gefährlich, da der Geschmack verändert wird (bspw. Jakobskreuzkraut verliert seine Bitterstoffe bei der Trocknung). Einen interessanten Artikel zu den Giftpflanzen für Pferde findest du hier.
  • ist trocken und nicht verklebt
  • riecht frisch blumig-aromatisch
  • fällt leicht auseinander
  • ist gelblich/ grünlich
  • hat einen geringen Staubgehalt
  • ist weder zu hart noch zu weich (Schnittzeitpunkt und Anzahl an Blättern bzw. an verholzten Stängeln sind entscheidend

3) Bewegung

Bewegung ventiliert die Lunge und sollte im Rahmen des körperlich möglichen immer gefordert werden. Ein frischer Galopp regt die Lungendurchblutung und somit die Selbstreinigung der Lunge an, die allgemeine Belüftung wird verbessert und durch konstante Fitness bleibt Dein Pferd leistungsfähiger. Es ist ein Irrtum zu denken, dass Dein Pferd aufgrund der Diagnose Equines Asthma geschont werden sollte. Solange das Pferd Freude an der Bewegung zeigt und keine Anzeichen einer deutlichen Ruhedyspnoe ( = Atemnot in Ruhe) zeigt, sollte immer die tägliche Bewegung forciert werden.

Dich interessiert das Thema rund um das Training von lungenkranken Pferden? Hier findest Du einen Artikel von uns zu dem Thema.

4) Weitere Faktoren

Stresshormone können auf den Körper erheblichen Einfluss nehmen und die Abwehr und das Selbstheilungsvermögen deutlich reduzieren. Bei gesundheitlich angeschlagenen Pferden gilt es besonders, das Stresslevel auf ein Minimum zu reduzieren. Stress kann bei Pferden durch unterschiedlichste Auslöser verursacht werden, wie beispielweise Turniere, Reiten, Herdendruck, Rangfolge, Futterneid oder eine Umstellung von Gewohnheiten. Nach Möglichkeit solltest Du Dein Pferd langsam an neue Situationen heranführen, um so das Stresslevel niedrig zu halten.
Das Durchschnaufen an schwülen Sommertagen fällt nicht nur uns schwerer, sondern auch Deinem Pferd. Vor allem Pferde mit einem fortgeschrittenen Asthma-Befund sollten an diesen Tagen unterstützt werden und nicht der Sonne ausgesetzt sein. Ein kühler, schattiger Rückzugsort ist sehr wichtig.
Die Heuernte ist in vollem Gange und die Koppel liegt daneben? Dein Pferd ist allergisch auf bestimmte Gräser, Pollen oder Mikroorganismen? Dann heißt es zu gegebener Zeit gewissen Expositionsstellen zu meiden, um eine Reizung der Lunge zu reduzieren. Kommt zur Heustauballergie eine Allergie gegen andere Faktoren hinzu, so gilt es diese möglichst ebenfalls zu umschiffen.

Individuelle Beratung

Solltest du mit Deinem Pferd alle oben genannten Punkte bereits beachtet haben und trotzdem noch keine Verbesserung erzielt haben, so können wir Dir die persönliche Beratung in unserer Lungensprechstunde ans Herz legen. Hier kannst Du zusammen mit der Tierärztin Frau Dr. Sommerfeld Deine individuelle Situation analysieren, um einen langfristigen Plan aufzustellen und Dein Management nachhaltig optimieren.
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