Husten beim Pferd: Die 6 wichtigsten Maßnahmen für gesunde Atemwege

Was Pferdebesitzer wirklich tun können – wissenschaftlich fundiert und praxisnah

Hustet dein Pferd beim Antraben? Verschwindet der Husten nach wenigen Minuten wieder? Oder tritt er immer wieder auf, obwohl du bereits verschiedene Maßnahmen ausprobiert hast?

Mit diesen Fragen bist du nicht allein. Husten gehört zu den häufigsten Gründen, warum Pferdebesitzer einen Tierarzt aufsuchen.

Dabei ist Husten zunächst keine Krankheit, sondern ein wichtiger Schutzreflex des Körpers. Er hilft dabei, Schleim, Staub oder andere Fremdstoffe aus den Atemwegen zu entfernen. Hält der Husten jedoch länger an oder tritt immer wieder auf, steckt häufig mehr dahinter.

Die Ursachen können sehr unterschiedlich sein – von einer Infektion über Equines Asthma bis hin zu einer dauerhaft hohen Staubbelastung im Stall.

Genau deshalb gibt es auch nicht die eine Lösung.

Die wissenschaftliche Forschung der vergangenen Jahre zeigt sehr deutlich, welche Maßnahmen den größten Einfluss auf die Atemwegsgesundheit haben. In diesem Artikel stellen wir dir die sechs wichtigsten Stellschrauben vor – sortiert nach ihrer tatsächlichen Bedeutung.
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Haltungsmanagement optimieren

Der wichtigste Einflussfaktor auf die Atemwegsgesundheit

Wenn ein Pferd unter chronischem Husten oder Equinem Asthma leidet, denken viele zunächst an Medikamente. Die aktuelle Studienlage zeigt jedoch ein anderes Bild:

Die wichtigste langfristige Maßnahme ist die konsequente Reduktion inhalierter Reizstoffe.

Zu den bedeutendsten Belastungsfaktoren gehören:

  • Staub
  • Schimmelpilzsporen
  • Endotoxine
  • Ammoniak
  • schlecht belüftete Stallluft

Je geringer die tägliche Belastung der Atemwege ist, desto besser können die natürlichen Schutzmechanismen der Schleimhäute arbeiten.

Praktische Tipps

  • Stall regelmäßig lüften
  • möglichst staubarme Einstreu verwenden
  • Stallgasse nicht fegen, solange Pferde in der Box stehen
  • Heu außerhalb des Stalls vorbereiten
  • möglichst viel Aufenthalt an der frischen Luft ermöglichen
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Auf die Qualität des Raufutters achten

Das wichtigste Futtermittel für gesunde Atemwege

Heu gehört zu den häufigsten Quellen lungengängiger Staubpartikel. Entscheidend ist dabei nicht nur die Staubentwicklung, sondern vor allem die hygienische Qualität. Schimmelpilze, Bakterien und organischer Staub können die Atemwege erheblich belasten.

Besonders geeignet sind:

  • hygienisch hochwertiges Heu
  • bedampftes Heu
  • geeignete staubarme Heuersatzprodukte (je nach Pferd)
Das Wässern von Heu kann die Staubbelastung reduzieren, sollte jedoch unmittelbar vor dem Verfüttern erfolgen, da sich Mikroorganismen im feuchten Heu rasch vermehren können.
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Frühzeitig tierärztlich abklären lassen

Husten niemals einfach aussitzen

Viele Pferde husten zunächst nur beim Anreiten. Gerade diese frühen Symptome werden häufig unterschätzt.

Je früher die Ursache erkannt wird, desto besser lässt sich eine chronische Schädigung der Atemwege vermeiden.

Besonders wichtig ist eine tierärztliche Untersuchung wenn:

  • der Husten länger als wenige Tage anhält,
  • das Pferd wiederholt hustet,
  • Schleim auftritt,
  • die Leistung nachlässt,
  • Atemnot auftritt.

Zur Diagnostik gehören – je nach Fragestellung – unter anderem die klinische Untersuchung, Endoskopie, Bronchoalveoläre Lavage (BALF) sowie gegebenenfalls weitere Untersuchungen.

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Bewegung richtig einsetzen

Angepasste Bewegung unterstützt die Atemwege

Bewegung kann den natürlichen Schleimtransport der Atemwege fördern. Voraussetzung ist jedoch, dass sie an den Gesundheitszustand des Pferdes angepasst wird.

Ein Pferd mit akuter Atemwegsinfektion sollte nicht trainiert werden. Pferde mit chronischen Atemwegserkrankungen profitieren dagegen häufig von regelmäßiger, moderater Bewegung – sofern der Tierarzt keine Einwände hat.

5

Die Belastung durch Umweltfaktoren beobachten

Nicht jeder Husten hat dieselbe Ursache

Neben Staub können weitere Umweltfaktoren die Atemwege zusätzlich belasten. Dazu gehören beispielsweise:

  • Pollen
  • kalte Luft
  • hohe Luftfeuchtigkeit
  • Schimmelbelastung
  • Wetterwechsel

Vor allem Pferde mit Equinem Asthma reagieren häufig empfindlicher auf verschiedene Umweltreize. Deshalb lohnt es sich, ein Symptomtagebuch zu führen.

Notiere beispielsweise:

  • Husten
  • Wetter
  • Pollenflug
  • Stallhaltung
  • Raufutter
  • Training
  • Medikamente
Oft lassen sich dadurch Zusammenhänge erkennen, die im Alltag leicht übersehen werden.
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Die Schleimhäute unterstützen

Gesunde Schleimhäute sind die erste Schutzbarriere

Die Schleimhäute der Atemwege übernehmen wichtige Aufgaben. Sie befeuchten die Atemluft, binden eingeatmete Partikel und transportieren diese mithilfe der Flimmerhärchen wieder aus den Atemwegen heraus.

Sind die Schleimhäute dauerhaft durch Staub, trockene Luft oder andere Umweltfaktoren belastet, kann ihre natürliche Schutzfunktion beeinträchtigt sein.

Neben einer tierärztlich empfohlenen Behandlung und einem konsequenten Umweltmanagement können unterstützende Pflegemaßnahmen dazu beitragen, die Schleimhäute feucht zu halten und ihre natürliche Barrierefunktion zu unterstützen.

Welche Maßnahmen sinnvoll sind, hängt vom jeweiligen Pferd und der zugrunde liegenden Ursache ab.

Häufige Fehler

Viele gut gemeinte Maßnahmen helfen leider nur begrenzt oder setzen an der falschen Stelle an. Zu den häufigsten Fehlern gehören:

Husten über Wochen beobachten, ohne tierärztliche Untersuchung.

Ausschließlich Hustensaft oder Kräuter einsetzen, ohne die Haltungsbedingungen zu verbessern.

Staubiges Heu weiter verfüttern.

Stallgassen fegen oder Heu ausschütteln, während Pferde im Stall stehen.

Medikamente eigenständig absetzen, sobald der Husten besser wird.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Husten ist ein Symptom und sollte immer ernst genommen werden.
  • Die wichtigste Maßnahme ist die Reduktion von Staub und anderen inhalativen Reizstoffen.
  • Hochwertiges, möglichst staubarmes Raufutter spielt eine zentrale Rolle.
  • Wiederkehrender Husten sollte immer tierärztlich abgeklärt werden.
  • Angepasste Bewegung unterstützt den natürlichen Schleimtransport.
  • Ein Symptomtagebuch hilft dabei, Auslöser besser zu erkennen.

Fazit

Husten beim Pferd lässt sich selten mit einer einzelnen Maßnahme lösen.

Die wissenschaftliche Evidenz zeigt vielmehr, dass mehrere Faktoren gemeinsam über die Atemwegsgesundheit entscheiden.

An erster Stelle stehen ein konsequentes Haltungsmanagement, hochwertiges Raufutter und eine frühzeitige tierärztliche Diagnostik. Ergänzende Maßnahmen können dieses Management sinnvoll unterstützen, ersetzen jedoch nicht die Behandlung der zugrunde liegenden Ursache.

Je früher Atemwegsprobleme erkannt und die wichtigsten Stellschrauben angepasst werden, desto größer ist die Chance, die Atemwege langfristig gesund zu erhalten.

Wissenschaftliche Quellen (Auswahl)

Couëtil LL et al. Inflammatory Airway Disease of Horses – ACVIM Consensus Statement. J Vet Intern Med. 2016.

Bond S et al. Environmental Management of Equine Asthma. Animals. 2024.

MSD Veterinary Manual. Asthma in Horses.

Olave CJ et al. Effects of low-dust forages on airway health in Thoroughbred racehorses. J Vet Intern Med. 2023.