Atemwegsmanagement beim Pferd

Inhalation beim Pferd – ein wichtiger Baustein im Atemwegsmanagement

Vielleicht hat dein Tierarzt bereits eine Inhalation empfohlen. Vielleicht hast du von anderen Pferdebesitzern davon gehört oder bist bei deiner Recherche immer wieder auf dieses Thema gestoßen. Kein Wunder.

Richtig eingesetzt kann die Inhalation ein wertvoller Bestandteil des Atemwegsmanagements sein. Auf dieser Seite erfährst du, worauf es wirklich ankommt.

Häufige Fragen
  • Ist Inhalation bei jedem hustenden Pferd sinnvoll?
  • Welcher Inhalator ist der richtige?
  • Welche Inhalationslösung eignet sich?
  • Wann werden Medikamente inhaliert und wann reichen pflegende Lösungen aus?
  • Und welche Grenzen hat die Inhalation?
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Husten behandeln heißt Ursachen behandeln

Viele Pferdebesitzer konzentrieren sich zunächst auf den Husten selbst. Tatsächlich ist Husten jedoch keine eigenständige Erkrankung, sondern ein Symptom.

Die entscheidende Frage lautet daher: Warum hustet das Pferd überhaupt?

Erst wenn die Ursache bekannt ist, kann eine geeignete Behandlung erfolgen. Je nach Erkrankung können beispielsweise Umweltmanagement, Medikamente, Bewegung und Inhalation sinnvoll miteinander kombiniert werden.

Gerade bei chronischen Atemwegserkrankungen wie dem Equinen Asthma gilt heute ein ganzheitlicher Ansatz als entscheidend.


Warum überhaupt inhalieren?

Die Atemwege verfügen über ein ausgeklügeltes Reinigungssystem. Die Schleimhäute bilden kontinuierlich Schleim, der Staub, Schmutzpartikel und Mikroorganismen bindet. Millionen feiner Flimmerhärchen transportieren diesen Schleim anschließend wieder nach außen. Dieses sogenannte mukoziliäre Reinigungssystem schützt die Lunge Tag für Tag.

Werden die Atemwege jedoch dauerhaft durch Staub, Schimmelpilze, Ammoniak oder andere Umweltreize belastet, kann diese Selbstreinigung gestört werden. Die Folgen können sein:

gereizte oder trockene Schleimhäute
zäher Schleim
erschwerter Schleimtransport
verstärkte Entzündungsprozesse

Hier setzt die Inhalation an. Beim Inhalieren gelangen feinste Aerosoltröpfchen direkt auf die Schleimhäute der Atemwege. Je nach verwendeter Inhalationslösung können sie beispielsweise die Befeuchtung der Atemwege unterstützen, den Schleimtransport fördern oder tierärztlich verordnete Medikamente gezielt in die Bronchien transportieren.

Dadurch wird die Inhalation heute als wichtiger Bestandteil des modernen Atemwegsmanagements eingesetzt.

Inhalation ist ein Teil des Ganzen

So wichtig wie die Inhalation auch ist – ohne, dass die übrigen Rahmenbedingungen stimmen, kann sie nicht zu dem langfristigen, gewollten Erfolg führen. Ein Pferd atmet täglich mehrere zehntausend Liter Luft ein. Sind diese dauerhaft mit Staub oder anderen Reizstoffen belastet, kann keine Inhalation diese Belastung vollständig ausgleichen.

Deshalb betrachten Tierärzte Atemwegserkrankungen heute ganzheitlich.

Die vier wichtigsten Bausteine

🔍Tierärztliche Diagnose

Der erste Schritt besteht immer darin, die Ursache der Beschwerden zu finden. Denn nur eine gesicherte Diagnose ermöglicht eine gezielte Behandlung.

🏠Stall- und Haltungsmanagement

Staubarmes Raufutter, eine geeignete Einstreu, gute Stallbelüftung und möglichst wenig luftgetragene Reizstoffe gehören zu den wichtigsten Maßnahmen überhaupt. Sie bilden die Grundlage für langfristig gesunde Atemwege.

🏇Bewegung

Angepasste Bewegung unterstützt die natürliche Selbstreinigung der Atemwege und kann den Schleimtransport fördern.

💨Inhalation

Die Inhalation ergänzt diese Maßnahmen sinnvoll. Je nach Situation kann sie die Schleimhäute befeuchten, den Schleimtransport unterstützen oder Medikamente gezielt in die Atemwege bringen.

Erst das Zusammenspiel aller Bausteine macht ein nachhaltiges Atemwegsmanagement möglich.

Das eigentliche Ziel: möglichst lange symptomfreie Phasen

Gerade bei chronischen Atemwegserkrankungen wie dem Equinen Asthma wird häufig angenommen, dass betroffene Pferde dauerhaft inhalieren müssen. Tatsächlich ist das langfristige Ziel jedoch ein anderes.

Das Ziel besteht darin, die Atemwege so weit zu stabilisieren, dass das Pferd möglichst dauerhaft symptomfrei bleibt und seinen Alltag ohne oder mit möglichst wenigen Beschwerden bewältigen kann.

Der wichtigste Schlüssel hierfür liegt in der konsequenten Reduzierung der auslösenden Ursachen. Weitere wichtige Stellschrauben sind:

Wichtige Stellschrauben

  • möglichst staubarmes Raufutter,
  • eine geeignete Einstreu,
  • gute Stallluft,
  • ausreichend Bewegung,
  • sowie das konsequente Vermeiden bekannter Auslöser.

Sind diese Faktoren dauerhaft optimiert und bleibt das Pferd über längere Zeit stabil, ist eine regelmäßige Inhalation häufig nicht mehr erforderlich. Welche Maßnahmen im Einzelfall sinnvoll sind, sollte jedoch immer gemeinsam mit dem behandelnden Tierarzt entschieden werden.

Auf dem Weg dorthin kann die Inhalation dennoch ein wertvoller und wichtiger Begleiter sein. Sie unterstützt die Atemwege insbesondere während akuter Krankheitsphasen, bei vorübergehend erhöhter Schleimbildung, nach starker Staubbelastung, oder in Phasen, in denen die Schleimhäute besonders beansprucht sind.

Was kann eine Inhalation leisten – und wo liegen die Grenzen?

Was Inhalation leisten kann

  • die Atemwege befeuchten
  • gereizte Schleimhäute pflegen
  • den natürlichen Schleimtransport unterstützen
  • zähen Schleim besser lösbar machen
  • tierärztlich verordnete Medikamente gezielt vernebeln

Was Inhalation nicht kann

  • keine Ursache einer Atemwegserkrankung beseitigen
  • kein ungeeignetes Stallmanagement ausgleichen
  • keine tierärztliche Untersuchung ersetzen
  • chronische Veränderungen der Atemwege nicht rückgängig machen
Deshalb beginnt eine erfolgreiche Behandlung immer mit einer sorgfältigen Diagnose und einer konsequenten Optimierung der Haltungsbedingungen.

Welcher Inhalator ist der richtige?

Nicht jeder Inhalator arbeitet gleich. Mesh-, Ultraschall- und Kompressorgeräte unterscheiden sich unter anderem hinsichtlich Aerosolerzeugung, Lautstärke, Inhalationsdauer und Handhabung. Wichtige Auswahlkriterien sind beispielsweise:

geeignete Partikelgröße
ausreichende Aerosolmenge
kurze Inhalationszeit
leiser Betrieb
einfache Reinigung
gute Ersatzteilversorgung
passende Maske für das Pferd

Welches Gerät sinnvoll ist, hängt immer vom individuellen Einsatzzweck ab.

In unserem großen Inhalator-Vergleich erfährst du, worauf du bei der Auswahl achten solltest.

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Welche Inhalationslösungen gibt es?

Ebenso wichtig wie der Inhalator ist die Wahl der richtigen Inhalationslösung. Nicht jede Lösung verfolgt dasselbe Ziel.

Isoton

Isotone Inhalationslösungen

Isotone Lösungen besitzen eine Salzkonzentration, die der natürlicher Körperflüssigkeiten ähnelt. Sie werden vor allem zur regelmäßigen Befeuchtung und Pflege der Atemwege eingesetzt und eignen sich häufig auch für eine längerfristige Anwendung.
Hyperton

Hypertone Inhalationslösungen

Hypertone Lösungen enthalten eine höhere Salzkonzentration. Durch osmotische Prozesse kann Wasser in den Schleim gezogen werden, wodurch dieser flüssiger werden und sich leichter abtransportieren lassen kann. Sie werden daher häufig bei zähem Schleim eingesetzt und meist zeitlich begrenzt verwendet.
Pflegend

Pflegende Inhalationslösungen

Neben Kochsalzlösungen gibt es auch moderne Inhalationslösungen mit weiteren Inhaltsstoffen, beispielsweise Ectoin/bi-medEctoin®. Je nach Zusammensetzung dienen sie der Pflege und Befeuchtung der Schleimhäute und können das Atemwegsmanagement ergänzen.
Medikamente

Verschreibungspflichtige Medikamente

Bei bestimmten Erkrankungen können zusätzlich Medikamente inhaliert werden. Hierzu gehören beispielsweise bronchienerweiternde oder entzündungshemmende Arzneimittel. Welche Medikamente eingesetzt werden und wie sie angewendet werden, entscheidet ausschließlich der behandelnde Tierarzt.
Ziel Häufig eingesetzte Lösungen*
Regelmäßige Schleimhautpflege Isotone Lösungen
Trockene oder gereizte Atemwege Isotone oder pflegende Inhalationslösungen
Zäher Schleim Hypertone Lösungen
Medikamentengabe Tierärztlich verordnete Arzneimittel

* Welche Lösung geeignet ist, hängt immer von der individuellen Situation, der Diagnose und den Herstellerangaben des jeweiligen Inhalators ab.

Mehr über isotone, hypertone und ectoinhaltige Inhalationslösungen erfahren

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Häufige Fragen

Das richtet sich nach der zugrunde liegenden Erkrankung, dem Therapieziel und der verwendeten Inhalationslösung. Eine pauschale Empfehlung gibt es nicht.
Nicht grundsätzlich. Ob Lösungen kombiniert werden können, sollte immer anhand der Herstellerangaben und der tierärztlichen Empfehlung entschieden werden.
Nicht unbedingt. Ziel ist eine möglichst langfristige Symptomfreiheit durch konsequente Ursachenkontrolle. Die Inhalation kann diesen Weg unterstützen, ersetzt ihn aber nicht.
Den einen besten Inhalator gibt es nicht. Entscheidend sind die Anforderungen des Pferdes, der Einsatzzweck und die Eigenschaften des jeweiligen Geräts.

Das Wichtigste auf einen Blick

Eine erfolgreiche Inhalation beginnt nicht mit dem Kauf eines Inhalators. Sie beginnt mit dem Verständnis dafür, warum das Pferd hustet, welche Ursache behandelt werden muss und wie Inhalation sinnvoll eingesetzt werden kann.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • warum das Pferd hustet
  • welche Ursache behandelt werden muss
  • welcher Inhalator geeignet ist
  • welche Inhalationslösung zum jeweiligen Ziel passt
  • warum Inhalation immer Teil eines ganzheitlichen Atemwegsmanagements ist

So findest du die passende Lösung

Ob regelmäßige Schleimhautpflege, Unterstützung bei zähem Schleim oder die Inhalation tierärztlich verordneter Medikamente – jede Situation stellt andere Anforderungen. Deshalb haben wir die wichtigsten Themen für dich übersichtlich zusammengefasst.

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Welche Inhalationslösung ist die richtige?
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